Im Rahmen des HarmonyPath-Projekts wurden nationale Fokusgruppen durchgeführt in Deutschland, Kroatien und Frankreich mit jungen Menschen und Jugendbetreuern. Diese Diskussionen spielten eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der digitalen Abenteuer, der Coaching-Karten und des allgemeinen Rahmens für die Friedensförderung.
Anstatt sich auf extreme oder isolierte Vorfälle von Gewalt zu konzentrieren, wiesen die Teilnehmer in allen Ländern durchweg auf eine andere Realität hin: Gewalt und Schaden werden am häufigsten als subtile, wiederholte und emotional belastende Momente im Alltag erlebt.
Das Ergebnis war nicht eine einzige Geschichte, sondern eine Reihe miteinander verbundener Erkenntnisse, die durch nationale Kontexte, soziale Umgebungen und kulturelle Normen geprägt sind.
In den deutschen Fokusgruppen wurde die digitale Kommunikation als zentral für das soziale Leben der Jugendlichen beschrieben. Konflikte traten selten in Form von offener Aggression auf. Stattdessen nahmen sie die Form von ständige Geräuschkulisse: wiederholte Witze, Sarkasmus, Ausgrenzung durch Schweigen und normalisierte feindselige Sprache in Online-Räumen.
Junge Lernende betonten dies:
Der Online-Schaden ist eher kumulativ als episodisch,
Schweigen fühlt sich oft sicherer an, als sich zu äußern,
Soziale Isolation ist eine größere Angst als formale Bestrafung.
Jugendbetreuer griffen diese Bedenken auf und betonten, dass subtile Schäden sind institutionell schwieriger zu beheben als sichtbare Vorfälle. Sie äußerten Unsicherheit darüber, wann und wie sie eingreifen sollten, vor allem, wenn das Verhalten nicht eindeutig gegen formale “Regeln” verstößt.”
Eine Schlüsselbotschaft aus Deutschland war die Notwendigkeit, dass Sprache, die keine Schande macht. Sowohl die Jugendlichen als auch die Moderatoren lehnten moralisierende Etiketten ab und bevorzugten Ansätze, die sich auf Wirkung und nicht Absicht, Neugier und nicht Anschuldigungen.
Die kroatischen Fokusgruppen spiegelten eine andere soziale Realität wider. Viele Teilnehmer leben in kleine oder eng verbundene Gemeinschaften, in denen sich Schule, Familie und soziales Leben stark überschneiden. In diesem Umfeld sind Konflikte selten anonym und haben oft langfristige soziale Folgen.
Die jungen Leute beschrieben das Schweigen nicht als Gleichgültigkeit, sondern als Überlebensstrategie:
Wenn man sich zu Wort meldet, kann das den Ruf für Jahre schädigen,
Als “problematisch” angesehen zu werden, hat dauerhafte Folgen,
Humor wird oft eingesetzt, um Unbehagen oder Schaden zu verbergen.
Die Jugendbetreuer beschrieben, dass sie sich in mehreren Rollen gleichzeitig bewegen: Vermittler, Mediator, Mitglied der Gemeinschaft und manchmal auch informelle Autoritätsperson. Diese Komplexität schränkt ein, wie direkt sie intervenieren können.
In den französischen Fokusgruppen wurde ein Kontext hervorgehoben, der ein hohes Maß an staatsbürgerlichem Engagement und Sichtbarkeit. Junge Menschen werden ermutigt, ihre Meinung zu äußern, sich an Debatten zu beteiligen und öffentlich Stellung zu beziehen - oft jedoch ohne angemessene Unterstützung für den Dialog, das Zuhören oder die emotionale Verarbeitung.
Die jungen Lernenden beschrieben Konflikte als:
Laut, schnell und öffentlich,
Sobald sie sichtbar sind, ist es schwierig, die Geschwindigkeit zu verringern,
Angetrieben von Dringlichkeit und performativer Positionierung.
Viele fühlten sich unter Druck gesetzt, sofort zu reagieren, und befürchteten, dass Fehler nicht verziehen würden, sobald sie öffentlich gemacht würden. Jugendbetreuer merkten an, dass Äußerungen zwar erwünscht sind, die Fähigkeiten zum Umgang mit Meinungsverschiedenheiten sind unterentwickelt.
In allen drei Ländern ergaben sich mehrere übergreifende Erkenntnisse:
Die meisten Schäden sind subtil, wiederholend und normalisiert, nicht dramatisch.
Das Schweigen spielt mehrere Rollen: Schutz, Angst und manchmal auch Mitschuld.
Jugendliche wollen Werkzeuge, die das Nachdenken unterstützen, nicht die Kontrolle.
Emotionale Sicherheit ist eine praktische Notwendigkeit, kein abstrakter Grundsatz.
Friedenskonsolidierung geschieht oft im Stillen - durch Zurückhaltung, Reparatur und Konsequenz.
Finanziert von der Europäischen Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die des Autors/der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) wider. Weder die Europäische Union noch die EACEA können für diese verantwortlich gemacht werden.